
Lern-Safari: Wie Sie Ihr Kind auf dem Weg zum Lernerfolg begleiten
Lesezeit: 10 min
Einleitung
Warum ist Lernen so wichtig? Lernen hat für das Leben jedes denkfähigen Lebewesens auf diesem Planeten eine enorme Bedeutung und ist eine der faszinierendsten Fähigkeiten unseres Gehirns. Wir beginnen dafür mit eindrucksvollen Beispielen aus der Natur: Elefantenbabys lernen schon kurz nach ihrer Geburt zu stehen und zu laufen, um ihrer Mutter folgen und in der Nähe der Herde bleiben zu können. Löwenbabys lernen durch frühes Spielen mit ihrer Mutter oder ihren Geschwistern verschiedene Jagd- und Pirschtechniken kennen, während Giraffen früh lernen, auf die Warnrufe von Vögeln zu hören, um sich vor Löwen zu schützen. All diese Fähigkeiten und Verhaltensweisen sind für die Tiere überlebensnotwendig. Ein Nicht-Lernen oder zu spätes Lernen kann gravierende Folgen haben. Wir Menschen lernen ständig neue Dinge und das in ganz besonderem Ausmaß im Kindes- und Jugendalter (Siegler et al., 2021). Allerdings können beim Lernen auch Schwierigkeiten oder Hindernisse auftreten.
Wir von der TALENT SAFARI unterstützen Kinder und Jugendliche sowie ihre Eltern dabei, effektiver lernen zu können, sich besser konzentrieren zu können, die Motivation nicht zu verlieren und den Wissensdurst zu stillen. Dafür haben wir spannende psychologische Tipps und Tricks parat, die beim lebenslangen Lernen helfen. Im Rahmen unserer Camp-Formate, wie beispielsweise dem STUDY CAMP oder dem FOKUS CAMP, lernen Kinder, Jugendliche und Eltern unter anderem Lerntechniken oder funktionales Aufmerksamkeitsverhalten.
Lernen ab dem Säuglingsalter
Lernen beginnt bereits vor der Geburt. In den ersten Lebensmonaten entwickeln sich in erstaunlichem Tempo neue Fähigkeiten: Schon Säuglinge können nach wenigen Wochen ihren Kopf halten. In den folgenden Monaten lernen sie, nach Gegenständen zu greifen, selbstständig zu sitzen, sich hochzuziehen und schließlich ihre ersten Schritte zu machen. Im Kindergartenalter entwickeln sich motorische Fähigkeiten dann weiter. Kinder lernen beispielsweise, sich selbstständig anzuziehen, ein Messer zu benutzen, eine Schleife zu binden und immer differenzierter zu zeichnen (Pauen, 2018; Siegler et al., 2021).
Auch die Sprache entsteht über viele kleine Lernschritte hinweg: Bereits mit etwa zwei Monaten reagieren Säuglinge auf Ansprache mit Gurr-Lauten (das nennt man auch „Cooing“). Einige Monate später beginnen Babys zu „brabbeln“ und produzieren erste Sprachlaute. Über zahlreiche weitere Entwicklungsschritte hinweg entstehen dann in der Regel ab etwa 11 Monaten die ersten Wörter (Siegler et al., 2021). Parallel dazu entwickeln sich auch kognitive Fähigkeiten. Kinder lernen zunehmend, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, ihr Gedächtnis erweitert sich und sie erwerben Strategien, um sich Informationen besser merken zu können (Siegler et al., 2021).
Definition von Lernen
Doch was versteht man eigentlich unter Lernen? Unter Lernen versteht man Vorgänge, durch die ein Organismus aufgrund gemachter Erfahrungen sein Verhaltenspotential über einen längeren Zeitraum ändert (Haider, 2021). Lernen ist für alle Organismen bedeutsam, da das Ausmaß der Plastizität – also der Lernfähigkeit – bestimmt, wie flexibel sich ein Organismus an verändernde Umweltbedingungen anpassen kann. Lernen führt dabei auch zu strukturellen Veränderungen in spezifischen Hirnstrukturen.
Im Gehirn bedeutet Lernen unter anderem, dass sich Verbindungen zwischen Nervenzellen verändern. Unser Gehirn beinhaltet 100 Millionen Nervenzellen und 100 Billionen Synapsen (Verbindungen zwischen den Nervenzellen). Häufig genutzte Verbindungen werden gestärkt, während selten genutzte Verbindungen mit der Zeit wieder abgebaut werden. Das bezeichnet man auch als neuronale Plastizität. Man kann sich neuronale Plastizität vorstellen wie einen Trampelpfad in der Savanne. Je öfter ein Pfad gegangen wird, desto breiter und leichter begehbar wird er in der Zukunft und könnte dann sogar zu einer viel befahrenen Straße werden. Wird ein Pfad gar nicht genutzt, wird er früher oder später wieder zuwuchern und irgendwann vielleicht als Pfad gar nicht mehr erkennbar sein.
Gerade im Kindesalter ist das Gehirn besonders formbar. Dabei spielen sensible Phasen eine wichtige Rolle. Das sind Zeitfenster, in denen das Gehirn für spezifische externe Reize besonders empfänglich ist. Beispielsweise können Kinder im Alter von fünf Jahren bis zur Pubertät besonders mühelos Sprachen lernen. Allmählich schließt sich dieses Zeitfenster und der Spracherwerb wird schwieriger (Siegler et al., 2021).
Zu Beginn existieren sehr viele neuronale Verbindungen, von denen im Laufe der Entwicklung einige wieder reduziert werden – ein Prozess, der als „synaptisches Pruning“ bezeichnet wird. Dadurch wird das Gehirn effizienter: Häufig genutzte Verbindungen bleiben bestehen und werden stabiler, während nicht genutzte Verbindungen abgebaut werden. Dieses Prinzip nennt sich „use it or lose it“. Durch das Zurückstutzen nicht benötigter Synapsen arbeitet das Gehirn effektiver (Siegler et al., 2021).
Fun Fact: Unser Gehirn hat eine theoretische Speicherkapazität von ca. 2.500 Terabyte, das sind ca. 150 Millionen Bücher. Unglaublich, nicht wahr?
Viele Kinder sind sich über ihr enormes Potenzial beim schulischen Lernen gar nicht bewusst oder wissen nicht, wie sie dieses gezielt ausschöpfen können. Im Gegenteil: Lernen wird gerade von Jugendlichen häufig als mühsam beschrieben, und auch Hausaufgaben werden schnell verteufelt. Dabei kommt es neben dem zu lernenden Inhalt entscheidend darauf an, wie gelernt wird. Die passende Lernstrategie hilft dabei, Wissen effektiv aufzunehmen, zu verstehen und nachhaltig zu speichern.
Unter einer Lernstrategie versteht man eine konkrete Vorgehensweise, mit der das eigene Lernen gezielt unterstützt und gesteuert wird. Dazu gehören beispielsweise Methoden zum Verstehen, Strukturieren, Einprägen, Wiederholen und Abrufen von Lerninhalten. Welche Strategie sinnvoll ist, hängt dabei vom Lernstoff und vom individuellen Lernziel ab. Dazu gibt es verschiedene theoretische Modelle. Unter den existierenden Schichtenmodellen hat das Drei-Schichten-Modell von Boekaerts (1999) besondere Aufmerksamkeit erfahren. Bestimmte Lernstrategien sind effektiver als andere, aber mehr dazu gleich.
Gedächtnis – Verarbeitung und Speicherung von Informationen
Um zu verstehen, warum bestimmte Lernstrategien besser funktionieren als andere, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie unser Gedächtnis aufgebaut ist. Ein klassisches Modell aus der Psychologie ist das sogenannte Mehrspeichermodell des Gedächtnisses von Dr. Richard C. Atkinson und Dr. Richard M. Shiffrin (1968).
Dieses Modell beschreibt, dass Informationen im Gehirn verschiedene Stationen durchlaufen. Sinneseindrücke gelangen zunächst für einen sehr kurzen Moment (nur mehrere Hundert Millisekunden) in das sensorische Gedächtnis. Richten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, können diese Informationen in das Kurzzeitgedächtnis übergehen. Dort sind sie jedoch nur für eine begrenzte Dauer (wenige Sekunden) und in begrenztem Umfang verfügbar. Erst durch Weiterverarbeitung und Wiederholung werden Informationen in das Langzeitgedächtnis überführt, wo sie langfristig gespeichert werden können (Atkinson & Shiffrin, 1968; Rieger & Müsseler, 2024).
Spätere Forschung hat gezeigt, dass das Kurzzeitgedächtnis nicht nur ein passiver Speicher ist, sondern aktiv Informationen verarbeitet – im sogenannten Arbeitsgedächtnis. Das Arbeitsgedächtnismodell von Dr. Alan Baddeley und Dr. Graham Hitch (1974) beschreibt dieses System deshalb als eine Art „mentalen Arbeitsplatz“, auf welchem Informationen kurzfristig gespeichert und gleichzeitig verarbeitet werden (Baddeley & Hitch, 1974).
Damit Informationen dauerhaft im Langzeitgedächtnis gespeichert werden können, müssen sie zunächst im Arbeitsgedächtnis aktiv verarbeitet werden. Strategien wie Wiederholen, Erklären oder das aktive Abrufen von Wissen helfen dabei, Informationen länger im Kurzzeitgedächtnis zu halten und sie schließlich ins Langzeitgedächtnis zu überführen und dort zu verankern.
Lernstrategien und deren Effektivität („Profi-Tricks“)
Als Kinderpsychologen bekommen wir von Eltern häufig die Frage gestellt: „Wie kann Lernen besonders gut gelingen, gerade in den ersten Grundschuljahren?“ Eine wichtige Grundlage dafür ist selbstreguliertes Lernen, also die Fähigkeit, das eigene Lernen zunehmend selbstständig zu planen, zu steuern und zu reflektieren. Diese Fähigkeiten entwickeln sich nicht von allein, sondern können von Anfang an gezielt gefördert werden.
Im Folgenden möchten wir Ihnen als Eltern zeigen, warum selbstreguliertes Lernen so wirkungsvoll ist und wie Ihr Kind diese Fähigkeiten Schritt für Schritt entwickeln kann. Dafür haben wir zentrale und wissenschaftlich gut belegte Lernstrategien aus der psychologischen Fachliteratur ausgewählt und so aufbereitet, dass sie sich im Alltag einfach anwenden lassen. Der Einfachheit halber nennen wir diese Strategien „Profitricks“. Wir haben sie in drei Bereiche gegliedert, damit Sie einen übersichtlichen und praxisnahen Zugang zum Thema erhalten.
In der Literatur wird selbstreguliertes Lernen als eine komplexe Interaktion zwischen kognitiven, metakognitiven und motivationalen Regulationsprozessen definiert, die sich jeweils auf drei unterschiedliche Regulationsebenen beziehen können (Boekaerts, 1999). Lernende steuern aktiv ihre Kognition, Motivation, Emotion und ihr Verhalten, um Lernziele zu erreichen. Neben konkreten Lernstrategien spielen auch die Lernbedingungen eine wichtige Rolle. Forschung zum selbstregulierten Lernen zeigt, dass Kinder besonders gut lernen, wenn sie zunehmend ihre Gedanken, Emotionen und ihr Verhalten selbst besser steuern können (Otto et al., 2011).
Wer hätte es gedacht: Auch Selbstreguliertes Lernen muss erlernt werden (Boekaerts, 1999). Sie sollten Ihr Kind sowohl bei der Selbstregulation als auch bei den motivationalen Prozessen unterstützen, denn Kinder sind zunächst auf externe Regulation (durch Eltern oder Lehrkräfte) angewiesen. Mit den folgenden Tipps und Tricks können Sie als Eltern Ihr Kind beim Lernen oder bei den Hausaufgaben unterstützen.
Profi-Tricks – Teil 1: Kognitive Lernstrategien
Kognitive Lernstrategien sind beispielsweise Wiederholen, Elaborieren und Organisieren (Wild & Schiefele, 1994). Sie dienen der unmittelbaren Informationsaufnahme, -verarbeitung und -speicherung. Es bietet sich an, Regeln oder Vokabeln durch Wiederholung auswendig zu lernen, sich passende Alltagsbeispiele auszudenken und die zu lernenden Inhalte in Listen zu organisieren. Dabei ist es hilfreich, verschiedene Sinne anzusprechen, beispielsweise mittels Diagramme, Podcasts und Rollenspiele. So kann das Gehirn die Informationen in mehreren Gehirnbereichen speichern.
In diesem Zusammenhang ist der weit verbreitete Mythos der Lerntypen zu erwähnen. Besonders bekannt ist das VAK-Modell, nach dem Menschen bevorzugt über visuelle, auditorische oder kinästhetische Kanäle lernen. Daraus wird häufig abgeleitet, dass Lernende auch entsprechend ihres individuellen Lerntyps unterrichtet werden oder selbst besonders effektiv in dieser Domäne lernen können. Demnach sollten sich Schülerinnen und Schüler des „visuellen Typus“ beim Lernen mit auditiven Formaten wie Podcasts schwerer tun und bei visuellen Inhalten deutlich besser abschneiden. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten diese Hypothese jedoch nicht bestätigen. Mit anderen Worten: Es gibt keine überzeugenden Belege dafür, dass eine Schülerin/ein Schüler bessere Leistungen erzielt, wenn etwa der Unterricht ausschließlich an ihren vermeintlichen Lerntypen angepasst wird (Pashler et al., 2008).
Eine bekannte kognitive Lernstrategie ist der Gedächtnispalast, auch Loci-Methode genannt. Hier ist die Aufgabe, sich spezifische Begriffe in einer bestimmten Reihenfolge zu merken. Dies gelingt gut, wenn man sich einen bekannten Weg überlegt und die Begriffe an bestimmte Orte dieses Weges „setzt“. Je verrückter, desto besser! Am Ende muss man dann einfach seinen Weg abgehen und kann die Begriffe in der richtigen Reihenfolge aufzählen.
Ihr Kind könnte zum Beispiel die Big Five der Savanne auswendig lernen, indem es an verschiedene Stationen des Schulwegs ein Tier setzt. Das könnte so aussehen: Vor der Haustür schleicht ein Leopard an der Hecke vorbei. In der Bäckerei sucht sich ein Elefant ein Brötchen aus. An der Bushaltestelle thront ein Löwe auf einem Felsen. Vor der Schule wartet ein Nashorn mit gesenktem Kopf. Auf dem Schulhof grast eine Herde Büffel.
Warum die Loci-Methode so wirkungsvoll ist, lässt sich unter anderem kognitionspsychologisch erklären. Indem verbale Begriffe gleichzeitig in lebhafte Bilder übersetzt werden, entstehen zwei parallele Gedächtnisspuren. Dadurch sind die Informationen leichter abzurufen und stärker im Gedächtnis verankert. Zum anderen spielt auch die Vertrautheit des Weges eine Rolle. Wenn die Route, beispielsweise der Schulweg, bereits fest im Gehirn verankert ist, kann sie als stabiles Gerüst dienen, an dem sich neue Inhalte festmachen lassen (Ondřej, 2025).
Profi-Tricks – Teil 2: Metakognitive Lernstrategien
Metakognitive Lernstrategien dienen der Kontrolle des Lernprozesses. Dazu zählt beispielsweise die Planung von Lernschritten und die Überprüfung eigener Lernfortschritte (Wild & Schiefele, 1994). Eine häufig zitierte untersuchte verschiedene Lerntechniken und eruierte deren Wirksamkeit. Das Paper dient dem Ziel, Schülerinnen und Schüler in einem immer mehr kritisch hinterfragten Schulsystem effektive Lernmethoden zu ermöglichen und Lehrkräfte über diese in Kenntnis zu setzen. Ein Review wie dieses ist besonders hilfreich, um sich einen Überblick über die bestehende Befundlage zu verschaffen und Vergleiche anzustellen. Für die Studie wurden zehn Lerntechniken ausgewählt, die von Schülerinnen und Schülern häufig genutzt werden, die einfach zu etablieren sind und deren Wirksamkeit bereits in anderen Studien belegt wurden.
- „Elaborative Interrogation“ (Warum-Fragen stellen und Erklärungen finden)
- „Self-Explanation“ (Eigene Lösungsschritte erklären)
- „Summarization“ (Schriftliche Zusammenfassungen von Lerninhalten)
- „Highlighting“/ „Underlining“ (Hervorheben oder Unterstreichen wichtiger Informationen)
- „Rereading“ (Wiederholtes Lesen)
- „Practice Testing“ (Übungstests)
- „Distributed Practice“ (Zeitlich verteiltes Lernen)
- „Interleaved Practice“ (Abwechselndes Üben verschiedener Inhalte)
Interessanterweise zeigte sich, dass einige der im Alltag häufig verwendeten Lerntechniken nur begrenzt wirksam sind. Es folgt eine kurze Übersicht.
🔴 Weniger effektive Lernstrategien
● Summarization (Zusammenfassungen schreiben)
● Highlighting/Underlining wichtige Textstellen unterstreichen oder markieren
● Rereading (wiederholtes Lesen von Texten)
🟡 Moderat effektive Strategien
● Elaborative Interrogation (Warum-Fragen stellen)
● Self-Explanation (Lösungswege erklären)
● Interleaved Practice (abwechselndes Üben verschiedener Inhalte)
🟢 Besonders effektive Strategien
● Practice Testing – Übungs- oder Selbsttests
● Distributed Practice – Lernen über mehrere Zeitpunkte verteilt
Bei Übungs- oder Selbsttests sucht eine Schülerin/ein Schüler zur Beantwortung der Fragen eine Information in ihrem/seinem Langzeitgedächtnis. Dies aktiviert ein ganzes Muster an verwandten Informationen und führt zu einer besseren mentalen Organisation der gelernten Inhalte. Das ist vergleichbar mit dem Abgehen der eigenen mentalen Bibliothek; es schafft bessere Orientierung und festigt Wissensstrukturen.
Verteiltes Lernen fühlt sich zunächst sehr mühsam und langwierig an. Eine bessere Lernleistung wird hier unter anderem aufgrund der Gedächtniskonsolidierung erzielt. Das heißt, das Gehirn hat zwischen den einzelnen Lerneinheiten und während des Schlafens Zeit, die gelernten Informationen zu verarbeiten. Daher sind auch Pausen wichtige Elemente einer Lernsession, getreu der Formel „effektives Lernen = Arbeitszeit + Pausen“ (Kossak, 2016).
An dieser Stelle ist hervorzuheben, dass der Lernerfolg von zahlreichen internen und externen Faktoren beeinflusst wird. Einzelne Lerntechniken können daher keine universell wirksame Lösung darstellen.
Profi-Tricks – Teil 3: Ressourcenbezogene Lernstrategien
Der Begriff Ressourcen bezieht sich hierbei einerseits auf interne Ressourcen und andererseits auf externe Ressourcen. Damit ist gemeint, dass das Kind auf der einen Seite vor dem Lernen seine eigene Konzentrationsfähigkeit, Hunger und Durst und das Pausenmanagement überprüft und vorbereitet. Auf der anderen Seite sollte vor dem Lernen sichergestellt werden, dass die Lernumgebung ruhig und ordentlich ist. Hier kommt auch das Thema Smartphone und digitale Medien ins Spiel. Beim Lernen kann das Smartphone eine große Ablenkung darstellen. Kinder (und auch Erwachsene) müssen einen verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zunächst erlernen. Daher ist hier wichtig, einen Rahmen zur Orientierung zu bieten und klare Regeln für die Smartphonenutzung aufzustellen. Mehr dazu finden Sie in unseren Blogartikeln zur Medienkompetenz.
Tipps für Eltern
Wie bereits beschrieben, sind laut der Studie von Dunlosky et al. (2013) die beiden Lernstrategien “Übungstests” und “Verteiltes Lernen” am effektivsten. Die darauffolgenden Tipps ergänzen diese sinnvoll.
- Übungstests nutzen („Practice Tests“)
- Kleine Quizfragen zum Lernstoff stellen (z.B. Rückgriff auf Schulmaterialien oder KI möglich!)
- Lernkarten oder Abfrage-Spiele verwenden
- Gemeinsam Fragen formulieren, beispielsweise in einer Gruppe von Mitschülerinnen und Mitschülern
- Effekt: Das kann auch dabei helfen, Prüfungsängstlichkeit abzubauen! (Agarwal et al., 2014)
- Verteiltes Lernen unterstützen („Distributed Practice“)
- Kinder frühzeitig mit dem Lernen beginnen lassen
- Einen Lernplan erstellen, bei dem der Lernstoff auf mehrere Tage verteilt wird
- Realistische Ziele setzen
- Effekt: Stress vor Klassenarbeiten reduzieren
- Lerninhalte erklären lassen („Elaborative Interrogation“)
- Kinder bitten, einen Sachverhalt mit eigenen Worten zu erklären
- Dem Kind „Warum-Fragen“ stellen
- Effekt: Verständnislücken gemeinsam entdecken
- Abwechslung beim Lernen schaffen („Interleaved Practice“)
- Verschiedene Fächer oder Aufgabenarten abwechseln
- Unterschiedliche Aufgabenformate nutzen
- Lernphasen abwechslungsreich gestalten
- Effekt: Gesteigerte Motivation und Durchhaltevermögen
- Bereitstellung interner und externer Ressourcen
- Feste Zeiten für Hausaufgaben vereinbaren
- Eine aufgeräumte und ruhige Lernumgebung ermögliche
- Hinweisreize setzen (z. B. den Rucksack schon an den Schreibtisch stellen)
- Wahlmöglichkeiten geben (z. B. Reihenfolge der Aufgaben)
- Gemeinsames Coworking
- Belohnungen anbieten
- Motivierendes Feedback geben
- Veränderbarkeit von Fähigkeiten klarmachen
- Nicht nur Ergebnisse, sondern auch den Lernprozess und die Anstrengung wertschätzen
Lernen muss kein sturer Paukprozess sein, sondern funktioniert am besten, wenn es sich für Kinder wie ein Spiel anfühlt. Mit kleinen, interaktiven Methoden lässt sich der Familienalltag ganz ohne Leistungsdruck in eine motivierende Lernumgebung verwandeln. Die folgenden drei Ideen zeigen, wie Sie Ihr Kind durch Rollenspiele, Quizfragen und kleine Herausforderungen motivieren und dazu beitragen, damit sich Wissen nachhaltig festigt.
- Die „Fünf-Minuten-Show“: Das Kind schlüpft in die Rolle eines Experten oder Moderators und erklärt den Eltern ein Thema, ohne in seine Unterlagen zu schauen. Die Eltern hören aufmerksam zu und stellen am Ende „schlaue“ Fragen wie: „Und was passiert eigentlich, wenn…?“ Das zwingt das Gehirn des Kindes, das Wissen aktiv zu rekonstruieren.
- Das „Familien-Duell“: Gemeinsam werden Quizfragen auf kleine Zettel geschrieben (auf eine Seite eine Frage, auf die andere Seite die Antwort). Beim Abendessen zieht jeder einen Zettel. Wenn die Eltern eine Frage nicht wissen (oder so tun!), darf das Kind den „Joker“ spielen und es erklären. Das erhöht die Motivation und zeigt, dass auch Profis mal nachschlagen müssen.
- Die „Blatt-Abdeck-Technik“: Statt das Kind nur zu fragen: „Hast du gelernt?“, können Eltern vorschlagen: „Lies dir diese Seite kurz durch, dann decken wir sie ab und du nennst mir drei Dinge, die hängengeblieben sind.“ Das trainiert das Kurzzeitgedächtnis und den Transfer ins Langzeitgedächtnis.
Fazit
Lernen begleitet Kinder von Anfang an und prägt, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen, sich Herausforderungen stellen und neue Fähigkeiten entwickeln. Ähnlich wie ein Trampelpfad in der Savanne entstehen durch Wiederholung und Übung stabile Wege im Gehirn: Je öfter ein Kind neues Wissen abruft und anwendet, desto leichter fällt es ihm, sich an Inhalte zu erinnern und sie sicher zu nutzen.
In diesem Blogartikel haben wir Ihnen theoretische Grundlagen zum Lernen vermittelt und Modelle zum Gedächtnis sowie zum selbstregulierten Lernen vorgestellt. Im Zuge dessen haben wir verschiedene Lernstrategien beleuchtet und Ihnen psychologische Tipps für das Lernen zuhause an die Hand gegeben. Vor allem die Übungstests und das verteilte Lernen lassen sich mühelos in den Alltag etablieren und sind dabei besonders effektiv.
Auf diesem Weg steht Ihnen die TALENT SAFARI zur Seite. Mit psychologischer Beratung und gezielten Trainings begleiten und unterstützen wir Sie und Ihr Kind dabei, selbstreguliertes effizientes Lernen zu entwickeln – eine Fähigkeit, die weit über die Schulzeit hinaus einen Mehrwert für das gesamte Leben Ihres Kindes bietet. Zudem finden Sie nachfolgend verschiedene Materialien, die Ihr Kind im Lernprozess unterstützen können.
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Maja Krause & Lotta Brinkmann
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Referenzen
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