Ein Mädchen, die auf dem Boden des Kinderzimmers sitzt und nicht raus möchte, da sie soziale Phobie hat

Lernen am Modell: Warum elterliches Handeln lauter spricht als Worte

Lesezeit: 11 min

Einleitung 

„Du sollst nicht ständig am Handy sein! Es gibt so viel anderes, was du machen kannst!“, sagt eine Mutter zu ihrem neunjährigen Sohn. Währenddessen liegt ihr eigenes Smartphone auf dem Tisch. Wenige Minuten später greift sie danach, um „nur kurz“ eine Nachricht zu beantworten. Ein paar Tage später sitzt das Kind wieder auf dem Sofa und tippt seit einer halben Stunde auf dem Handy herum. “Wieso hörst du nicht auf mich?”, fragt die Mutter ihn.

Solche Situationen kennen wahrscheinlich viele Familien. Sie sind nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass Eltern etwas falsch machen. Vielmehr zeigen sie etwas Grundsätzliches darüber, wie Kinder lernen: Sie hören nicht nur zu. Sie beobachten. Kinder bekommen ständig mit, wie Erwachsene sich verhalten: Wie sie mit Stress umgehen, wie sie miteinander sprechen, wie sie auf Fehler reagieren oder wie selbstverständlich sie zum Smartphone greifen. Manches davon wird bewusst wahrgenommen, anderes geschieht eher nebenbei (Bandura et al., 1961; Bandura, 1965). Genau hier setzt das sogenannte Lernen am Modell an.

In diesem Blogartikel geht es darum, warum Kinder das Verhalten anderer übernehmen und weshalb insbesondere Eltern, aber auch Lehrkräfte, eine wichtige Vorbildfunktion haben. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, was passiert, wenn Worte und Verhalten nicht übereinstimmen und wie sich Lernen am Modell im Alltag zeigt, etwa im Umgang mit Gefühlen, Fehlern sowie in Sprache und Kommunikation. Abschließend stehen praktische Tipps für Eltern im Mittelpunkt. Denn Kinder brauchen keine perfekten Vorbilder. Viel entscheidender ist, dass Erwachsene bewusst vorleben, was sie ihren Kindern vermitteln möchten.

Kinder beobachten mehr, als wir denken

Stellen wir uns eine typische Situation am Frühstückstisch vor. Ein Kind verschüttet seinen Kakao. Der Erwachsene reagiert wütend: „Jetzt pass doch endlich mal auf!“. Das Kind bekommt dabei nicht nur die Information, dass der Kakao verschüttet wurde. Es erlebt gleichzeitig, wie ein Mensch mit einem kleinen Missgeschick umgeht. Vielleicht lernt es: Fehler sind ärgerlich und man reagiert darauf mit Wut. Vielleicht beobachtet es aber auch, dass nach einem kurzen Ärger gemeinsam aufgewischt wird und die Situation schnell wieder vorbei ist.

Kinder lernen also nicht ausschließlich durch direkte Erklärungen, Belohnung oder Bestrafung. Sie können auch beobachten, was andere Menschen tun, und daraus Rückschlüsse für das eigene Verhalten ziehen (Bandura et al., 1961). In der Psychologie wird dieser Prozess unter anderem als Beobachtungslernen, Nachahmung oder Lernen am Modell bezeichnet. Die Begriffe werden häufig synonym verwendet. Gemeint ist vereinfacht gesagt: Ein Mensch beobachtet das Verhalten einer anderen Person und kann daraus lernen, ohne das Verhalten selbst zunächst ausprobieren zu müssen (Bandura et al., 1961; Bandura, 1965).

Was der Name Bandura damit zu tun hat

Besonders bekannt wurde dieser Gedanke durch den kanadischen Psychologen Dr. Albert Bandura. Er prägte die sozial-kognitive Lerntheorie und beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie Menschen durch die Beobachtung anderer lernen. Bekannt wurden Banduras Bobo-Doll-Studie. In der Studie von Bandura, Ross und Ross (1961) beobachteten Kinder dabei Erwachsene, die sich aggressiv gegenüber einer aufblasbaren Puppe verhielten: Sie schlugen, traten oder stießen sie. Anschließend zeigten die Kinder teilweise dieselben aggressiven Verhaltensweisen. Dabei zeigte sich auch der Einfluss von Verstärkung: Wurde das Verhalten des Erwachsenen belohnt, ahmten die Kinder es häufiger nach. Wurde es bestraft, zeigten sie es zunächst seltener. Trotzdem konnten sie das Verhalten später wieder zeigen (Bandura, 1965). Wenn Sie mehr über Verstärkerpläne und die Bedeutung von Belohnung erfahren möchten, schauen Sie gerne in unserem Blogartikel Mit Belohnungen ans Ziel: Verstärkerpläne richtig einsetzen“ vorbei.

Zurück zur zitieren Studie: Die Kinder hatten es also durch Beobachtung gelernt, auch wenn sie selbst dafür nicht belohnt worden waren (Bandura, 1965). Die Bobo-Doll-Studie und deren Folgestudien werden heute teilweise kontrovers diskutiert und sind nicht als einfache Erklärung für jedes Verhalten von Kindern zu verstehen. Sie lieferten jedoch wichtige Hinweise darauf, dass Menschen Verhalten durch Beobachtung lernen können (Bandura et al., 1961). Dabei muss nicht jedes beobachtete Verhalten automatisch übernommen werden. Ob und wie stark ein Kind ein Verhalten nachahmt, hängt unter anderem vom Alter, von seinen eigenen Erfahrungen, von der Situation und von der Beziehung zur beobachteten Person ab.

Ein entscheidender Punkt ist außerdem: Kinder müssen nicht jedes Verhalten unmittelbar belohnt bekommen, damit Lernen stattfindet. Sie können beispielsweise beobachten, dass jemand eine bestimmte Strategie verwendet und diese später selbst ausprobieren (Bandura, 1965). Das macht Lernen am Modell für den Familienalltag besonders interessant.

Warum Eltern besonders starke Modelle sind

Ein Kind beobachtet theoretisch sehr viele Menschen: Geschwister, Freundinnen und Freunde, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Personen aus Büchern oder Videos und natürlich Erwachsene im Alltag. Eltern nehmen dabei häufig eine besondere Rolle ein. Sie sind für Kinder wichtige Bezugspersonen und verbringen gerade in den ersten Lebensjahren sehr viel Zeit mit ihnen. Auch Lehrkräfte können wichtige Modelle sein, insbesondere weil Kinder ihnen regelmäßig begegnen und sie in Lern- und Alltagssituationen beobachten. Dabei können nicht nur fachliche Inhalte, sondern auch der Umgang mit Fehlern, Konflikten oder Frustration sichtbar werden. Dabei geht es nicht darum, dass Eltern oder Lehrpersonen immer die „richtige“ Antwort geben müssen. Nähe und Vertrauen können vielmehr beeinflussen, wie bedeutsam das Verhalten einer Person für ein Kind ist (Morris et al., 2007).

Ein wichtiges Konzept ist in diesem Zusammenhang das der Bindung. Kinder brauchen sogenannte sichere Bindungserfahrungen – also wiederholte Situationen, in denen sie erleben: „Jemand hilft mir, wenn ich überfordert bin. Jemand ist da, wenn etwas schwierig wird“ (Morris et al., 2007). Eine solche Beziehung kann einen wichtigen Rahmen dafür schaffen, dass Kinder Erwachsene aufmerksam beobachten und sich an ihnen orientieren. Das bedeutet auch: Ein Elternteil muss nicht besonders pädagogisch auftreten, damit sein Verhalten Wirkung entfaltet. Oft passiert Lernen gerade in den unscheinbaren Momenten des Alltags.

Wie reagiert Mama, wenn sie einen Fehler macht?

Wie spricht Papa über andere Menschen?

Was passiert, wenn beide gestresst sind?

Wie wird mit schlechten Gefühlen umgegangen?

Genau solche Situationen können für Kinder zu Lerngelegenheiten werden (Morris et al., 2007).

Hilfreiche Tipps für den Aufbau einer starken Bindung können Sie in unserem Blogartikel „6 Tipps für eine starke Bindung und deren positive Auswirkungen“ finden.

„Aber ich sage meinem Kind doch, dass es das anders machen soll!“

Das ist ein wichtiger Einwand. Natürlich können Worte Kindern etwas beibringen. Erwachsene erklären Regeln, geben Hinweise und sprechen mit ihren Kindern über Werte. Sprache ist für Lernen enorm wichtig. Schwierig wird es vor allem dann, wenn Worte und Verhalten dauerhaft widersprüchliche Botschaften vermitteln.

Ein Vater sagt seinem Kind: „Wenn du wütend bist, darfst du nicht einfach herumschreien.“ Gleichzeitig reagiert er selbst regelmäßig laut, wenn etwas nicht funktioniert. Das Kind hört dann zwar die Erklärung, erlebt aber gleichzeitig ein anderes Modell. Dabei wäre es zu einfach zu sagen: „Kinder machen immer nach, was ihre Eltern tun.“ So funktioniert menschliches Lernen nicht. Bereits im Vorschulalter entwickeln Kinder zunehmend die Fähigkeit, Regeln zu verstehen, ihr Verhalten zu steuern und eine spontane Reaktion bewusst zu hemmen. Gerade zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr machen sich dabei deutliche Fortschritte bemerkbar. Sie übernehmen also nicht automatisch alles, was Erwachsene vormachen, sondern können abhängig von ihrem Entwicklungsstand und der jeweiligen Situation auch bewusst anders handeln (Jones et al., 2003).

Trotzdem ist Verhalten häufig besonders greifbar. Ein Kind kann abstrakt verstehen, dass Fehler normal sind. Noch anschaulicher wird diese Botschaft, wenn es erlebt, wie ein Erwachsener nach einem Fehler sagt: „Mist, das hat nicht funktioniert. Ich probiere es noch einmal.“. Ein Verhalten macht eine abstrakte Botschaft sichtbar. Vielleicht lässt sich das mit einem bekannten Sprichwort zusammenfassen: „Bilder sagen mehr als 1000 Worte.“. Auch wenn das Sprichwort nicht direkt aus der Welt der Psychologie stammt, beschreibt es eine wichtige Alltagserfahrung: Was wir beobachten können, ist oft leichter greifbar als eine abstrakte Erklärung.

Was Kinder im Alltag tatsächlich nachahmen

Lernen am Modell zeigt sich nicht nur bei umfassenden Verhaltensweisen. Oft sind es kleine Dinge. Schauen wir uns das einmal anhand von ein paar Beispielen an.

1. Der Umgang mit Gefühlen

Ein Kind kommt nach Hause und wirft seinen Schulranzen in die Ecke. „Alles ist doof!“, ruft es. Ein Erwachsener könnte darauf sofort mit Ärger reagieren. Eine andere Möglichkeit besteht darin, zunächst zu zeigen, wie man mit starken Gefühlen umgehen kann: „Du bist gerade richtig wütend. Lass uns erst einmal kurz durchatmen.“. Das bedeutet nicht, dass jedes Gefühl akzeptiert werden muss oder dass es keine Grenzen geben sollte. Gefühle und Verhalten sind zwei unterschiedliche Dinge. Ein Kind darf wütend sein, trotzdem darf es beispielsweise andere nicht schlagen.

Gerade bei der Emotionsregulation können Kinder davon profitieren, wenn Erwachsene zeigen, wie man mit starken Gefühlen umgeht (Morris et al., 2007). Ein Erwachsener, der selbst sagt: „Ich bin gerade sehr gestresst. Ich brauche kurz eine Pause.“, macht eine Strategie sichtbar. Das Kind lernt möglicherweise nicht sofort, selbst genauso zu reagieren. Aber es bekommt ein Modell dafür, wie man mit Überforderung umgehen kann (Morris et al., 2007). Mehr dazu finden Sie zeitnah in unserem bald veröffentlichen Blogartikel über Emotionsregulation bei Kindern.

2. Der Umgang mit Fehlern

„Ich kann das nicht!“, sagt ein Kind und schiebt das Arbeitsblatt weg. Fehler können für Kinder emotional belastend sein. Entscheidend ist nicht nur, was Erwachsene über Fehler sagen, sondern auch, wie sie selbst mit ihnen umgehen. Wenn ein Elternteil beim Kochen etwas anbrennen lässt und sagt: „Na toll, ich bin einfach zu blöd dafür.” vermittelt das möglicherweise eine andere Botschaft als: „Das ist jetzt schiefgegangen. Ärgerlich – aber ich kann schauen, was ich beim nächsten Mal anders mache.“. Auch hier geht es nicht darum, niemals frustriert sein zu dürfen. Ein authentischer Umgang mit Fehlern kann sogar besonders wertvoll sein. Ein Kind darf und soll erleben, dass Erwachsene sich ärgern. Es darf aber ebenso erleben, dass Frust nicht das Ende einer Situation sein muss.

Mehr dazu, wie Sie als Eltern Ihr Kind beim Umgang mit Fehlern unterstützen können, erfahren Sie in unserem Blogartikel “Schon wieder gescheiter(t) – Vom Misserfolg zur Lernchance”.

3. Sprache und Kommunikation

Auch Sprache wird im Alltag modelliert. Wenn Erwachsene häufig „Bitte“, „Danke“ und „Entschuldigung“ sagen, erleben Kinder diese Wörter in einem sozialen Zusammenhang. Noch deutlicher wird es bei Konflikten. Ein Kind beobachtet beispielsweise, wie seine Eltern miteinander umgehen, wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Werden sie laut? Hören sie einander zu? Können sie später sagen: „Ich war gerade unfair!“? Kinder übernehmen solche Muster nicht automatisch. Aber sie bekommen soziale Strategien vorgeführt, die ihnen später zur Verfügung stehen können (Bandura et al., 1961). Das gilt auch für den Umgang mit anderen Menschen außerhalb der Familie. Wie sprechen Erwachsene über eine Verkäuferin, eine Lehrkraft oder eine Person, die einen Fehler gemacht hat? Kinder hören dabei nicht nur die Worte. Sie beobachten auch Tonfall, Gesichtsausdruck und Verhalten.

Und was ist mit Mediennutzung?

Gerade beim Thema Medienkonsum wird der Unterschied zwischen Worten und Verhalten besonders sichtbar. „Leg das Handy weg!“, ist eine relativ klare Aufforderung. Schwieriger wird sie, wenn Erwachsene selbst ständig auf den Bildschirm schauen. Das bedeutet nicht, dass Eltern ihr Smartphone niemals benutzen dürfen. Arbeit, Organisation, Kommunikation und Erholung gehören zum Alltag. Interessanter ist die Frage: Welchen Umgang mit Medien erlebt mein Kind regelmäßig? Vielleicht erlebt es, dass beim gemeinsamen Essen Smartphones beiseite gelegt werden. Vielleicht sieht es, dass Erwachsene bei einem Gespräch nicht ständig auf den Bildschirm schauen. Oder es erlebt, dass ein Elternteil bewusst sagt: „Ich möchte jetzt mit dir reden. Ich lege mein Handy kurz weg.“ Damit wird keine perfekte Medienerziehung demonstriert. Es wird ein konkretes Verhalten sichtbar.

Forschung mit 3.035 Kindern im Alter von 0 bis unter 4 Jahren zeigt einen Zusammenhang zwischen familiären Faktoren und der Mediennutzung von Kindern. Unter anderem war eine höhere Mediennutzungszeit der Mutter mit einer höheren Mediennutzungszeit des Kindes verbunden. Die Forschenden diskutieren dabei unter anderem Modelllernen als einen möglichen Erklärungsansatz. Die Studie zeigt jedoch einen Zusammenhang und keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Kette (Paulus et al., 2024).

Mehr zu diesem wichtigen Thema finden Sie in unserem zweiteiligen Blogartikel „Medienkompetenz in der digitalen Welt“.

Was können Eltern daraus mitnehmen?

Die Idee des Lernens am Modell kann zunächst Druck erzeugen: Wenn Kinder ständig beobachten, muss ich dann jederzeit ein perfektes Vorbild sein? Nein. Genau das wäre eine falsche Schlussfolgerung. Kinder brauchen keine fehlerlosen Eltern. Sie brauchen Menschen, an denen sie unterschiedliche Möglichkeiten des Umgangs mit dem Alltag beobachten können. Dazu gehören auch Fehler, Entschuldigungen und Neuanfänge.

Tipp 1: Machen Sie Ihr eigenes Verhalten sichtbar

Wenn Sie merken, dass Sie gestresst sind, müssen Sie das nicht immer verstecken. Ein Satz wie „Ich bin gerade ziemlich genervt und brauche kurz Ruhe.“ kann eine hilfreiche Strategie sichtbar machen.

Tipp 2: Sprechen Sie über Ihre Fehler

Wenn Sie Ihr Kind zu Unrecht angeschrien haben, können Sie sich entschuldigen. „Vorhin war ich sehr laut. Das war nicht fair. Ich war gestresst, aber ich hätte anders mit dir sprechen können.“ Damit zeigen Sie Ihrem Kind nicht, dass Erwachsene perfekt sind. Sie zeigen etwas anderes: Verantwortung übernehmen ist möglich.

Tipp 3: Zeigen Sie statt nur zu erklären

Wenn Ihr Kind beispielsweise lernen soll, mit Frust umzugehen, können konkrete Handlungen hilfreicher sein als lange Erklärungen. Pause machen. Durchatmen. Einen neuen Versuch starten. Hilfe holen. Kinder können solche Strategien beobachten und mit der Zeit selbst anwenden (Bandura, 1965; Morris et al., 2007).

Tipp 4: Achten Sie auf die kleinen Momente

Lernen am Modell findet nicht nur bei bewusst geplanten Erziehungssituationen statt.Es passiert beim Frühstück. Im Auto. Beim Aufräumen. Während der Hausaufgaben. Nach einem Streit. Und manchmal genau dann, wenn Erwachsene gar nicht daran denken, dass ihr Verhalten gerade beobachtet wird.

Vorbild statt Perfektion

Vielleicht liegt darin die wichtigste Botschaft des Lernens am Modell: Es geht nicht darum, für das eigene Kind eine perfekte Version von sich selbst zu spielen. Kinder erleben Erwachsene ohnehin mit guten und schlechten Tagen. Sie sehen Geduld, Ungeduld, Freude, Stress und Fehler. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: „Mache ich alles richtig?“

Hilfreicher könnte sein: „Was erlebt mein Kind bei mir immer wieder?“. Vielleicht erlebt es …

… dass Fehler repariert werden können.

… dass Gefühle ausgesprochen werden dürfen.

… dass man sich entschuldigen kann.

… dass andere Menschen respektvoll behandelt werden.

… dass man Hilfe annehmen darf.

…und dass ein schlechter Tag nicht bedeutet, dass alles schlecht ist.

All das sind keine perfekten Vorbilder. Es sind menschliche Modelle, an denen Kinder beobachten können, wie man mit dem Leben umgeht.

Fazit

Wenn ein Kind uns beobachtet, findet nicht automatisch ein Lernprozess statt. Kinder übernehmen nicht jedes Verhalten ihrer Eltern und sind auch nicht einfach eine Kopie ihrer Bezugspersonen. Die Forschung zum Beobachtungslernen zeigt jedoch, dass Menschen Verhalten anderer beobachten und daraus lernen können. Banduras Arbeiten haben wesentlich dazu beigetragen, diesen Mechanismus psychologisch zu verstehen (Bandura et al., 1961; Bandura, 1965).

Für Eltern bedeutet das weniger eine zusätzliche Erziehungsaufgabe als vielmehr eine andere Perspektive auf den Alltag. Wichtig ist vor allem, dass Eltern ihr eigenes Verhalten reflektieren. Die Frage ist nicht: „Wie bringe ich meinem Kind möglichst viel bei?“. Sondern manchmal: „Was kann mein Kind gerade an mir beobachten?“

Bei TALENT SAFARI möchten wir psychologische Erkenntnisse so vermitteln, dass sie nicht zusätzlichen Druck erzeugen, sondern den Familienalltag verständlicher machen. Denn gute Elternschaft bedeutet nicht, immer alles richtig zu machen. Sie bedeutet auch, dass Kinder erleben dürfen: Wir können Fehler machen, daraus lernen und es noch einmal versuchen.

Mehr psychologische Themen rund um die Entwicklung von Kindern und Familien finden Sie in unserem Blog.

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Janina Müller

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Referenzen

Bandura, A. (1965). Influence of models‘ reinforcement contingencies on the acquisition of imitative responses. Journal of Personality and Social Psychology, 1, 589–595. https://doi.org/10.1037/h0022070

Bandura, A., Ross, D. & Ross, S. A. (1961). Transmission of aggression through imitation of aggressive models. The Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, 575–582. https://doi.org/10.1037/h0045925

Jones, L. B., Rothbart, M. K. & Posner, M. I. (2003). Development of executive attention in preschool children. Developmental Science, 6, 498–504. https://doi.org/10.1111/1467-7687.00307

Morris, A. S., Silk, J. S., Steinberg, L., Myers, S. S. & Robinson, L. R. (2007). The role of the family context in the development of emotion regulation. Social Development, 16, 361–388. https://doi.org/10.1111/j.1467-9507.2007.00389.x

Paulus, F. W., Joas, J., Friedmann, A., Fuschlberger, T., Möhler, E. & Mall, V. (2024). Familial context influences media usage in 0- to 4-year old children. Frontiers in Public Health, 11, 1256287. https://doi.org/10.3389/fpubh.2023.1256287